Das Graduierungs-System der Kyû/Dan-Grade


Im traditionellen Karate-(Budo) Verständnis haben die DAN-Grade einen niedrigeren Stellenwert als Heute (gerade im Westen) zumeist üblich. Dabei sind die Anforderungen keineswegs geringer, eher im Gegenteil. Aber man glaubt nicht, dass ein Schwarzgurt gleich zu setzen wäre etwa mit einem Experten auf seinem Gebiet.

 

Das Kyu/Dan-System war nie dafür entwickelt worden nur den leistungstechnischen Stand anzuzeigen. Es zeigt auch die Budo-Ziele der geistigen und ethischen Verwirklichung hin zur Perfektion des Selbst. Trotzdem sollten Dan-Grade, und auch Kyu-Grade, einen Stand von moralischer und geistiger Entwicklung oder Verwirklichung. Aus diesem Grund wurden Kinder immer anders, mit ihren eigenen Kyu- und Dan-Graden, mit ihrem eigenen erkennbaren Gurten klassifiziert, die Schwarzgurte hatten in der Mitte oft einen weißen Streifen. Das deshalb, weil man Kinder als noch nicht ausreichend reif und zu jung beurteilte, um die Aspekte des Charakters, den Budo repräsentiert zu erfassen. Aus diesem Grund wurden in vielen Schulen die Schüler im Alter von 14 oder 15 nochmals geprüft um sich für den Erwachsenenstand zu qualifizieren. Denn das Kyu/ Dan-System gibt den spirituellen Fortschritt einer Person hin zur Perfektion (Erlangen von Disziplin, Werten und Anstand) innerhalb einer Kampfkunstdisziplin wieder.

 

Im frühen 20ten Jahrhundert wurde Karate von Okinawa, wo es für Jahrzehnte im geheimen geübt wurde, nach Japan eingeführt. In Shuri, Okinawa’s Hauptstadt, wurde Karate um 1905 in der Mittelschule öffentlich als Teil des Lehrplans zur physischen Bildung eingeführt. Aber es gab kein Rangsystem, Gurte oder Uniformen zu dieser Zeit. Das Kyu/ Dan-System und das Gurt/Uniform-System wurde erst vom Karate in Japan als Mittel zur Anerkennung durch den Butokukai übernommen (die ersten Dan wurden von Gichin Funakoshi 1924 an sieben Schüler verliehen). Okinawa folgte später der japanischen Karate-Führung.

Erst innerhalb der letzten 30 Jahre (seit ca. 1960-1970) haben einige Kampfkunstdisziplinen oder Organisationen begonnen farbige Gurte als Zeichen der unterschiedlichen Kyu-Grade zu nutzen. Diese wurde eingeführt, um den Schülern ein Gefühl für das Erlangte zu geben. Sie wurden als Reaktion auf die geäußerten Wünsche von vielen meist ausländischen Schülern in Japan und Schülern im Ausland, die nach einem von außen ersichtlichen Zeichen Ihres Fortschritts suchten. Es gibt keine Übereinkunft über die Farben oder die Reihenfolge der Farben, außer dass in vielen Systemen der Braungurt der letzte vor dem Erreichen des schwarzen Gurtes (Dan-Grad) ist.

Bei den Rängen der schwarzen Gurte gibt es rein technisch 10 fortschreitende Grade - erster bis zehnter, aber der Aufstieg innerhalb jedes Systems ist begrenzt auf den Stand unterhalb des Gründers des Systems, obersten Trainers oder dessen Erben. Deshalb hatte im Shotokan -Karate, dessen Gründer Gichin Funakoshi den fünften Dan (Godan) innehatte, bis zu seinem Tod niemand einen Rang der höher oder gleich seinem war.

Alle Dan-Grade tragen Schwarz, mit Ausnahme der verschiedenen Kombinationen von Rot, Weiß und Schwarz die normalerweise vom 5. Dan und höher zu zeremoniellen Gelegenheiten genutzt wird. Inzwischen kennzeichnen einige Systeme Dan-Grade mit Streifen auf einem Ende des Gurtes, die Anzahl der Streifen zeigen dann den Dan-Grad an. Einige Systeme symbolisieren die verschiedenen Lehr-Titel mit goldenen Gurtstreifen.

 

Auszüge aus: Die Titel im Budo

 

 

In eigener Sache:

 

Erstaunlich bleibt selbst in Europa bei der "Abwertung" der Bedeutung des Schwarzgurtes die Tatsache, dass in manchen Organisationen eine "Inflation" der Dan-Grade festzustellen ist, obwohl ja hier (im modernen Kampf-Sport-Sinne) der Dan-Grad so etwas besonderes zu sein scheint. Insbesondere bei sogenannten "Dan-Träger-Verbänden" gibt es eine auffällige Konzentration und Anhäufung von allerhöchsten Dan-Graden.

 

Einzelne Personen mit 8. Dan, 9. Dan und 10. Dan, oft sogar sowohl im Karate, Judo, Allround kampf und was es da sonst noch so gibt, sind dort oft keine Seltenheit, sondern leider die Regel.

 

Diese hohen Dan-Grade verdienen allerdings keine Anerkennung, keinen Respekt, schon gar nicht im oben beschriebenen Sinne des Weg-Verständnisses von traditoneller Kampfkunst. Alles, was diese Leute darin sehen und erwarten ist das Materielle und sie verdienen damit viel Geld ...!